2. September 2017

Einführung in Bitcoin

Hier erfahren Sie was das Besondere an Bitcoin ist und wie Sie Bitcoin in der Praxis benutzen können. Der erste Teil ist übrigens optional. Sie können also auch direkt zum Praxis-Teil springen.

Bitcoin ist …

… eine Internet-Technologie, die als Währung und Zahlungsnetzwerk verwendet werden kann.

Aber Währungen und Zahlungsnetzwerke gibt es ja schon zu genüge. Auch rein digitale Währungen wie z.B. der Linden Dollar gab es schon lange vor Bitcoin. Was also genau ist dann der große Unterschied von Bitcoin zu allen anderen bisherigen Geldsystemen? Nun, um genau das besser zu verstehen, bleiben wir vorerst noch bei den …

Herkömmliche Geldsysteme

Der Begriff „Geldsystem“ bezeichnet hier ein System, das aus einer Währung und einem Zahlungsnetzwerk besteht. In Deutschland bilden z.B. Banken ein Zahlungsnetzwerk mit denen Bankkunden innerhalb dieses Bankennetzwerks EURO-Geld senden und empfangen können. Ebenfalls häufig genutzt werden Zahlungsnetzwerke von Kreditkartenanbietern. Zudem gibt es auch immer mehr rein internetbasierte Zahlungsnetzwerke wie z.B. Paypal. Es gibt also schon seit langer Zeit sehr viele verschiedene Möglichkeiten Geld mittels eines Zahlungsnetzwerks von A nach B zu übermitteln.

Alle bisherigen Geldsysteme haben allerdings auch immer eine Gemeinsamkeit: Es gibt immer mindestens eine (zentrale) Stelle, die letztendlich die (volle) Kontrolle über das Geldsystem hat! Sie haben z.B. überkaupt keinen Einfluss darauf wie stark ihr Vermögen im Laufe der Zeit durch die Zinspolitik entwertet wird (Stichwort: Inflation). Darüber hinaus kann es auch sein, dass bei einer kritischen Situation wie z.B. einem „bank run“ Sie nicht mehr über ihr Vermögen verfügen können. Letztendlich haben also nicht Sie, sondern die (Zentral)banken die Kontrolle über ihr Vermögen. Aber was genau ist denn jetzt …

Das Besondere an Bitcoin

Anders als bei konventionellen Geldsystemen, haben Sie bei Bitcoin zu jeder Zeit die vollständige Kontrolle über ihr Bitcoin-Vermögen. Die Bitcoin-Technologie ist ein offener Standard und es gibt keine zentrale Institution, die Ihre Bitcoins „einfrieren“ oder den Wert der Bitcoins verringern kann. Die Einhaltung bzw. Änderung der Bitcoin-Regeln kontrollieren immer alle Bitcoin-Teilnehmer. Jeder Teilnehmer stimmt letztendlich (indirekt) über die Regeln ab indem er eine bestimmte Bitcoin-Software (Version) verwendet. Die Regeln von Bitcoin basieren somit auf einem demokratischen Konsens.

Im Gegensatz zu allen herkömmlichen Geldsystemen ist Bitcoin:

  • Offen: jeder darf ohne Genehmigung teilnehmen
  • Neutral: Keiner wird bevorzugt behandelt
  • Dezentral: die Bitcoin-Regeln werden durch alle Teinehmer festgelegt und kontrolliert
  • Zensur-sicher: Transaktionen können nicht verhindert oder rückgängig gemacht werden
  • Grenzenlos: überall verfügbar wo es einen Internetzugang gibt

 

Die Praxis: Bitcoins benutzen

Das Schöne an Bitcoin ist, dass das Benutzen (Empfangen/Senden) von Bitcoins sehr einfach ist. Sie brauchen dafür (so gut wie) keine Kenntnisse darüber, was dabei im Hintegrund abläuft. Im folgenden erkläre ich Ihnen einige wenige Bitcoin-Grundbegriffe. Diese reichen völlig aus um Bitcoin in der Praxis zu benutzen. Los gehts mit dem wichtigsten Praxis-Begriff:

Die Wallet

Mit einer Wallet können Sie Ihre Bitcoins verwalten. D.h. Bitcoins empfangen und versenden. Rein technisch ist eine Wallet eine Software, mit dem Sie Zugang zum Bitcoin-Netzwerk erhalten. Wallets gibt es von vielen verschiedenen Anbietern. In der Regel sind diese kostenfrei. Zudem gibt es verschiedene Arten von Wallets wie z.B.

  • Desktop Wallet (ein Programm für normale PCs)
  • Mobile Wallet (eine App für mobile Gerate wie z.B. Smartphones)
  • Web Wallet (eine Wallet, die in eine Website integriert ist)

Wallets können sehr unterschiedlich sein. Das „Herzstück“ jeder Wallet ist aber immer die Funktion Bitcoins zu Versenden und zu Empfangen. Und genau das erfolgt bei Bitcoin mit Hilfe von …

Transaktionen

Eine Bitcoin-Transaktion hat eine gewisse Ähnlichkeit mit einer Banküberweisung. Statt IBANs gibt es aber Bitcoin-Adressen. Eine solche Adresse sieht z.B. so au:

1Db2Hv5ph9562AjTrefgwkf5T1HaZ43s29

Anders als beim einem Bankkonto können Sie bei Bitcoin mit Hilfe Ihrer Wallet beliebig viele Bitcoin-Adressen erstellen. Alle Bitcoins, die auf eine dieser Adressen „ankommen“ können Sie mit derselben Wallet auch wieder versenden.

Ein weiterer Unterschied ist, dass Sie die Gebühren für eine Transaktion selbst festlegen können (mehr Infos dazu finden Sie auf der Seite über Bitcoin-Gebühren)

Für eine Bitcoin-Transaktion müssen Sie also mindestens drei Dinge angeben:

  • die Bitcoin-Adresse des Empfängers
  • die Anzahl der Bitcoins
  • die Höhe der Gebühren

Auf dem folgenden Bild sehen Sie die Electrum-Wallet (in der Linux-Version) mit aktivem „Senden“-Tab:

Nach einem Klick auf „Senden“, erstellt die Wallet im Hintergrund eine Transaktion und schickt diese ins Bitcoin-Netzwerk, in dem sie innerhalb weniger Sekunden an alle anderen Teilnehmer weitergeleitet und von diesen auch permanent gespeichert wird. Somit stehen dem Empfänger die Bitcoins schon nach einer sehr kurzen Zeit zu Verfügung.

Zu diesem frühen Zeitpunkt, kann der Empfänger sich allerdings noch nicht zu 100% sicher sein, dass es sich dabei auch um eine legitime Transaktion handelt. Wenn diese nicht legitim (d.h. gefälscht) wäre, würde sie nach kurzer Zeit wieder gelöscht werden. Und dann könnte der Empfänger auch nicht mehr über die an ihn gesendeten Bitcoins dieser Transaktion, verfügen. Um nun herauszufinden ob es tatsächlich eine gültig Transaktion ist, benötigt der Empfänger …

Transaktions-Bestätigungen

Die Überprüfung der Transaktionen übernehmen spezielle Teilnehmer des Bitcoin-Netzwerks, die „Miner“ genannt werden. Für die Praxis ist dabei folgendes wichtig:

Umso öfters eine Transaktion bestätigt wurde, umso wahrscheinlicher ist es, dass es sich um eine gültige Transaktion handelt. In der Regel sind sechs Bestätigungen ausreichend um eine Transaktion als „sicher“ einzustufen. Bei kleineren Beträgen sind allerdings auch weniger Bestätigungen ausreichend. Wie viele Bestätigungen für eine bestimmte Transaktion genug sind, muss letztendlich der Empfänger der Transaktion selbst entscheiden.

Wie lange es ungefähr dauert bis eine Transaktion (zum ersten mal) bestätigt wird ist abhängig von den …

Transaktions-Gebühren

Durch die Gebühren können Sie beeinflussen wie schnell eine Transaktion bestätigt wird. Es gilt die einfache Regel: umso höher die Gebühren, desto schneller erfolgt die Bestätigung. Die meisten Wallets bieten mindestens zwei Voreinstellungen für die Gebührenhöhe an. Bei der Web-Wallet von blockchain.info können Sie z.B. zwischen „Regular“ und „Priority“ wählen:

 

Und damit sind wir auch schon (fast) am Ende.  Hier alles noch einmal in Kürze …

Zusammengefasst

Um Bitcoins zu senden und zu empfangen brauchen Sie eine Wallet. Mit dieser können Sie Bitcoins durch eine Transaktion senden bzw. empfangen. Um Bitcoins zu empfangen müssen Sie dem Versender nur Ihre eigene Bitcoin-Adresse mitteilen. Um Bitcoins zu versenden müssen Sie die Bitcoin-Adresse des Empfängers, die Anzahl der Bitcoins und die Gebührenhöhe angeben. Letzteres beeinflusst dabei wie schnell die Transaktion bestätigt wird.
Weiter zum nächsten der Teil der Grundlagen-Reihe: Die Grundbausteine von Bitcoins

5 thoughts on “Einführung in Bitcoin

  • Top Beitrag! Du Erklärst mit wenigen Worten ziemlich präzise die grundliegenden Dinge des Bitcoins.

    Du hast erwähnt, dass die Bitcoin-Technologie ein offener Standard ist und es keine zentrale Institution gibt, die meine Bitcoins „einfrieren“ oder den Wert der Bitcoins verringern könnte.
    Ich hätte dazu ein paar Fragen an Dich.
    Theoretisch, so wie bei der Bank, müsste ich den doch jenigen Wallet-Anbietern vertrauen, oder?! Ich habe nämlich schon mal was gelesen über Wallet Anbieter , die sich als Betrüger raus stellten.
    Ich hoffe , Du kannst mir das nochmal etwas genauer erklären! 🙂

    • Danke für das Feedback!

      Zu den Wallet-Anbietern: Eigentlich ist das ein Thema für eine eigene (zukünftige) Seite. Deshalb hier nur mal kurz das Wichtigste. Das folgende gilt übrigens nur für Desktop/Mobile-Wallets!

      Es stimmt, dass man seinen Wallet-Anbieter vertrauen muss. In der Praxis sind das Problem aber nur sog. „Fake-Wallets“. In der Regel sind das Apps, die genau so aussehen wie die Wallet-App eines seriösen Anbieters. Bevor man also eine Wallet installiert, sollte man sich sehr sicher sein, dass diese von einer vertauenswürdigen Quelle stammt. Das trifft z.B. auf den „Apple App Store“ und den „Google Play Store“ per se nicht zu! Die zur Zeit (mir bekannte) vertrauenvollste Quelle ist Bitcoin.org

      Beim Vergleich der Risiken zwischen einer Bank und einer Wallet kann man grob zwischen „vorsätzichem Betrug“ und „systembedingtem Risiko“ unterscheiden.

      Vorsätzlicher Betrug
      Theoretisch könnte es sein, dass so auch ein seriöser Anbieter irgendwann eine Wallet-Version veröffentlicht, die versucht rechtswidrig an Bitcoins zu kommen. Die Frage ist aber ob sich so etwas für den Anbieter überhaupt lohnen würde. Vor allem für einen Anbieter, die über meherere Jahre viel Geld in die Entwicklung der Wallet investiert und eine sehr große Nutzeranzahl haben. Selbst wenn es nur einen (gut begründeten) Verdacht geben würde, hätte das eine große Auswirkung auf den Ruf dieses Anbieters worauf die Nutzerzahl entsprechend sinken würde. Desweiteren muss der Anbieter mit massiver Strafverfolgung rechnen. Deshalb denke ich, dass so etwas wenn überhaupt nur äußerst selten vorkommen wird. Zudem sollte man Software-Wallets auch nur als „Girokonto“ benutzen. Größere Beträge sollten immer auf Hardware- oder Paper-Wallets „geparkt“ werden. Somit ist selbst im „worst case“ das Risiko für den einzelnen noch relativ gering.

      Systembedingtes Risiko
      Bei diesem Risiko schneiden Wallets im Vergleich zu Banken deutlich besser ab. Anders als bei Banken gibt es nämlich bei Wallets kein Mindestreserve-System. Aus diesem Grund kann es bei Bitcoin auch keinen „bank run“ geben. Zumindest nicht in Bezug auf Wallets. Bei z.B. einigen Bitcoin-Börsen besteht dieses Risiko weiterhein. Deshalb ist es am besten, die Bitcoins nur so lange auf einer Börse zu lassen wie es notwendig ist.

  • hallo zusammen!
    ich bezeichne mich hier mal als Frischling, dem man alles erzählen kann…
    so nach dem Motto: „wer nix weiss, muss alles glauben..:“
    wie kann einer wie ich auf diesen Zug noch aufspringen? ich denke, dass gerade hier der Teich übervoll ist mit Abzockern, Betrügern und unseriösen anbietern. man liest immer was von „eToro“, „cryptofund“, „Avantgarde“ und wie die alle heissen. wem kann man wirklich trauen? ich steh da voll im wald und traue mich nicht, mein Geld irgendwo reinzuhauen… na ja aber trotzdem interessiert mich das ganze 🙂
    wer kann mir einen seriösen tipp geben ?
    LG Robert

  • Den Gedanken hinter Bitcoin finde ich super. Nur
    1) Mittlerweile ist es ein Abzockerplatz geworden
    2) Sehr wichtig. Das erwähnt Keiner. Das größte Manko von Bitcoin ist nähmlich
    Wenn ein „Supergau“ bevorsteht fühlt sich „Keiner“ für Bitcoin verantwortlich ;))

    Jetzt sagt bitte nicht. Unmöglich. Wo die Menschen sind, ist alles möglich.

    Außerdem das ganze ist geplant. Die Macht hinter FED will mit Bitcoin das erreichen, was sie mit FED nicht geschafft hat. Dies wurde im „THE ECONOMIST“ im Jahr 1988 vorausgemeldet.

    https://steemit.com/cryptocurrency/@poh/flashback-1988-get-ready-for-a-world-currency-by-2018-the-economist-magazine

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